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Mit ihnen fing es an: Die Vorkriegstypen DEL und DG (1933 bis 1954)
 
Vorrangig für die Normalspur, wurde ab 1935 die DEL-Reihe mit dieselelektrischem Antrieb als DEL 80, DEL 110, DEL 150 und DEL 220 bis 1941 angeboten. Die elektrische Ausrüstung der Lokomotiven lieferte die Firma SSW. Unter den DEL 110 befanden sich auch je eine Lokomotive für 900mm, 1000 mm und 1676 mm Spurweite.
 
Typ Achsfolge Leistung Anzahl Bauzeit Lieferung
DEL 80 B 80 PS 16 1936 bis 1943 alle in Deutschland verkauft, 2 davon in 900 mm Spurweite
DEL 110 B 110 PS 21 1935 bis 1941 davon 16 in Deutschland und 4 ins Ausland verkauft
DEL 150 B 150 PS 4 1939 bis 1943 alle in Deutschland verkauft
DEL 220 C 220 PS 1 1941 in Deutschland verkauft

Von den 42 gebauten Lokomotiven existieren in Deutschland immerhin noch sechs, nämlich zwei DEL 80 und vier DEL 110. Davon ist leider keine betriebsfähig, aber einige sind optisch aufgearbeitet.

Henschel war vor dem Zweiten Weltkrieg im Bau von Motorlokomotiven nicht besonders aktiv. Ab 1933 wurde jedoch die für Feldbahnen vorgesehene DG-Reihe (= Diesel-Getriebe Lok) mit den Typen
DG 10, DG 20 und DG 30 angeboten, wobei die Typenbezeichnung die Motorleistung in PS angibt. 1937 wurde die Leistung der Loks angehoben, so dass nun die Typen DG 13, DG 26 und DG 39 angeboten wurden. Von den beiden letztgenannten entstanden zwischen 1939 und 1954 auch regelspurige Exemplare, vermutlich 34 Stück DG 26 und 19 Stück DG 39.

Der Bau regelspuriger Kleinstlokomotiven ist daher eher als Nebenprodukt einzustufen. Als der Bau der drei Feldbahn-Typen 1933 aufgenommen wurde, bot es sich an, diese bzw. deren weiterentwickelte Bauart auch für Regelspur zu adaptieren. Dies bedeutete nicht einfach ein anderes Fahrwerk, sondern auch neue breitere Aufbauten und technische Anpassungen für den Einsatz auf Regelspurgleisen. Die meisten von ihnen wurden dabei erst nach 1948 produziert.

Leider sind die Hersteller-Unterlagen zu diesen Loks nicht vollständig. Es kann daher auch mehr als die hier genannten Exemplare gegeben haben.
Erschwert wird die Recherche auch durch eine unterschiedliche Vergabe der Fabriknummern. Die ab 1933 gebauten DG 10, DG 20, DG 30, DG 13 und DG 26 wurden bis 1951 mit den Nummern 1001 bis 2279 versehen. Ob alle Nummern besetzt wurden, ist nicht bekannt. Demgegenüber erhielten die 1937 bis 1949 gebauten DG 39 Nummern aus dem üblichen - fünfstelligen - Fabriknummern-Bereich.
 

Typ Achsfolge Leistung Anzahl Bauzeit Lieferung
DG 26 B 26 PS ca. 34 1948 bis 1954 davon 23 in Deutschland und 1 ins Ausland verkauft. 10 Vorratsbau ohne bekannten Verbleib
DG 39 B 39 PS 19 1937 bis 1949 davon 17 in Deutschland und 2 ins Ausland verkauft

Von den vermutlich 53 gebauten Loks blieben die meisten in Deutschland, nur bei drei Loks sind Kunden im Ausland vermerkt.  Da Henschel die kleinen Maschinen in Gruppen auf Vorrat gebaut hat, standen einige auch länger im Werk, bis sie verkauft werden konnten. Bei 10 Loks ist der Abnehmer komplett unbekannt.

Erfreulicherweise blieben nicht nur schmalspurige DG Loks erhalten, sondern auch regelspurige, nämlich acht DG 26 und eine DG 39. Einige davon können im Folgenden mit ihrem Lebenslauf vorgestellt werden.

Fotos und Lebensläufe weiterer ausgewählter Lokomotiven finden sie außerdem unter diesen Links:
Henschel Industrieloks Teil 1
Henschel Industrieloks Teil 2
Chroniken von DEL Lokomotiven
Fabrik-Nr. 23889 / 1938
Typ DEL 110
Bauart Bo-de
Standort 59063 Hamm
Eigner Museumseisenbahn Hamm e.V.
Die Vereinigte Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld in Schwarzenfeld in der Oberpfalz erhielt diese Lok 1938. Am 19.06.1940 wurde sie an die Buchtal GmbH, Keramische Betriebe der Reichswerke "Hermann Göring" in Oeslau bei Coburg abgegeben. 1947 war sie dann wieder im Werk Schwarzenfeld der nunmehrigen Buchtal GmbH zu finden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie an die Westfalia-Werke GmbH & Co. KG in Wiedenbrück verkauft, wo sie 1974 außer Dienst gestellt und im werkseigenen Museum hinterstellt wurde.
1987 konnte die Museumseisenbahn Hamm e.V. die Lok übernehmen. Im dortigen Museums-Betriebswerk in Hamm Süd konnte die Maschine am 05.11.2011 fotografiert werden.
Fabrik-Nr. 24372 / 1939
Typ DEL 80
Bauart Bo-de
Standort 67434 Neustadt an der Weinstraße
Eigner Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. (DGEG)
Die Brown, Boverie & Cie. AG, kurz BBC, erhielt diese Lok 1939. Als Betriebsnummer wurde die vom Ladesbevollmächtigten für Bahnaufsicht vergebene LfB-Nummer "136" verwendet. Erst am 21.11.1983 wurde die Lok abgestellt und 1986 von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. (DGEG) übernommen. Sie wird im DGEG-Museum in Neustadt (Weinstraße) gezeigt.
Dort konnte sie am 28.04.2024 fotografiert werden.
Fabrik-Nr. 24424 / 1939
Typ DEL 110
Bauart Bo-de
Standort 06449 Aschersleben
Eigner Deutsches Werkbahn-Museum e.V.
Die Lok, deren elektrischer Teil von SSW gebaut wurde, konnte im September 1939 an die Energieversorgung Schwaben für das Kraftwerk Marbach (Neckar) ausgeliefert werden. Sie bekam die Betriebsnummer "2". Am 28.06.2002 trennte sich das Unternehmen von der Maschine und übergab die dem Club 41 073 e.V. in Haltingen. Zunächst ab 17.05.2010 als Leihgabe und ab Januar 2016 als Eigentum wechselte die Lok zur IG Dreiseenbahn e.V. in Seebrugg. Nachdem sie auch dort nicht aufgearbeitet oder sinnvoll genutzt werden konnte, übernahm das Deutsche Werkbahn-Museum e.V. (DWBM) in Aschersleben die seltene Lok.
Am 21.11.2024 konnte sie im Museumsgelände fotografiert werden.
Fabrik-Nr. 25955 / 1942    NEU
Typ DEL 80
Bauart Bo-de
Spurweite 1000 mm
Standort 27305 Bruchhausen-Vilsen
Eigner Deutscher Eisenbahn-Verein e.V. (DEV)
Über das Oberkommando der Marine (OKM) wurde diese Lok mit der Betriebsnummer "1" für den Einsatz beim Marine-Artilleriezeugamt Borkum bestellt und im November 1943 ausgeliefert. Wie auf Borkum üblich, betrug ihre Spurweite 900 mm. 1947 konnte sie von der Borkumer Kleinbahn- und Dampfschiffahrt AG übernommen werden. Die Wiederinbetriebnahme erfolgte am 07.03.1951 mit dem Namen "Emden".
Nach der Anschaffung neuer Fahrzeuge wurde sie 1988 nicht mehr benötigt und an den Deutschen Eisenbahn-Verein e.V. (DEV) in Bruchhausen-Vilsen abgegeben. Die Maschine wurde dort als "V 4" eingereiht, 1989 auf 1000 mm umgespurt und von den auf Borkum üblichen Doppelpuffern auf Mittelpuffer umgerüstet.
Am 29.05.2016 war sie auf der Strecke unterwegs, am 21.05.2023 konnte sie leider nur im Lokschuppen fotografiert werden.
Bild 1: Von Köhl1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84821365
 
Chroniken von DG Lokomotiven
Fabrik-Nr. 2130 /1949
Typ DG 26
Bauart B-dm
Standort 49090 Osnabrück
Eigner Osnabrücker Dampflokfreunde e.V.
Diese Lok wurde im Januar 1950 ausgeliefert. Nach verschiedenen Vorbesitzern lässt sich bis 1982 ein Einsatz als Lok "70" im Klöckner Werk Hütte Bremen nachweisen. Anschließend fuhr sie unter derselben Nummer in Georgsmarienhütte für die Klöckner Wilhelmsburger GmbH.
1997 konnte sie von den Osnabrücker Dampflokfreunden e.V. übernommen werden, die sie als Denkmal neben dem Vereinsgebäude am Piesberg in Osnabrück aufstellten. Dort wurden die Fotos am 18.06.2009 und 02.09.2012 aufgenommen.
Fabrik-Nr. 2228 / 1954
Typ DG 26
Bauart B-dm
Standort 34582 Borken
Eigner Hessisches Braunkohle-Bergbaumuseum
Diese mustergültig restaurierte DG 26 steht am 07.06.2009 im Hessischen Braunkohlemuseum in Borken. In Borken war sie allerdings nie im Einsatz, denn sie stammt vom Standort Wölfersheim der Preußen-Elektra AG, wo sie als Lok "1" 42 Jahre im Einsatz war. 1996 kam sie als Ausstellungsstück nach Borken.
 
Fabrik-Nr. 2268 / 1950
Typ DG 26
Bauart B-dm
Standort 06449 Aschersleben
Eigner Deutsches Werkbahn-Museum e.V.
Die 1950 auf Vorrat gebaute Kleinlok wurde Anfang der 1950er Jahre an die Kleinwanzlebener Saatzucht GmbH in Einbeck verkauft, wo sie ihre gesamte aktive Einsatzzeit verbrachte. In den 1990er Jahren konnte sie vom Deutschen Werkbahn-Musem e.V. (DWBM) in Hannover übernommen und einige Jahre später auch dorthin überführt werden. Am 21.01.2006 zog das Museum nach Aschersleben um, wo die optisch hergerichtete Lok am 09.03.2021 und am 21.11.2024 aufgenommen werden konnte.
 
Fabrik-Nr. 2271 / 1951
Typ DG 26 IV
Bauart B-dm
Standort 68169 Mannheim
Eigner Litterer Korrosionsschutz GmbH
Die Kleinlok wurde am 18.05.1951 als Vorratslok fertiggestellt. Scheinbar wurde sie frühestens 1959 an die Firma Franz Litterer in Mannheim verkauft. Ob sie tatsächlich acht Jahre in Kassel bei Henschel stand, oder in diesem Zeitraum einen anderen Eigentümer hatte, ist nicht rekonstruierbar. 1974 wurde das Unternehmen in Litterer Korrosionsschutz GmbH umbenannt. Die schon einige Zeit abgestellte Lok wurde 2016 optisch hergerichtet und als Denkmal auf dem Werksgelände aufgestellt.
Dort konnte sie am 12.04.2022 fotografiert werden.
 
Fabrik-Nr. 2273 / 1951
Typ DG 26
Bauart B-dm
Standort 06449 Aschersleben
Eigner Deutsches Werkbahn-Museum e.V.
Auch diese Kleinlok wurde auf Vorrat gebaut und 1951 an die Chemische Fabrik Ludwig Brüggemann KG in Heilbronn ausgeliefert, wo sie die Nummer "1" und die vom Land Baden-Württemberg vergebene Nummer "7" bekam. Erst 1994 trennte sich das Unternehmen von der Maschine, die bei den Eisenbahnfreunden Zollernbahn e.V. (EFZ) mit Sitz in Balingen im Bw Tübingen ein neues Zuhause bekam. Im März 2006 übernahm die Museumseisenbahn Friesoythe - Cloppenburg e.V. die Lok und arbeitete sie auf.
Nachdem die musealen Ambitionen nicht weitergeführt werden konnten, fand sich die Lok im Sommer 2024 beim Deutschen Werkbahn-Museum e.V. in Aschersleben wieder. Ob sie dem Verein oder einer Privatperson gehört, ist dabei nicht bekannt.
Die Aufnahmen entstanden am 21.11.2024 und zeigen sie zusammen mit der Schwesterlok Henschel 2268/1950.
 
Fabrik-Nr. 2275 / 1951
Typ DG 26
Bauart B-dm
Standort 37603 Holzminden
Eigner Bundesmonopolverwaltung für Branntwein
 
Die Kleinlok wurde 1951 an die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein in München (BfB) ausgeliefert. Im Oktober 1963 wurde sie zum Standort Holzminden verlegt, wo am 25.03.1998 auch dieses Bild entstand.
Ende 2003 wurde die Lok abgestellt und am 22.05.2004 an das Nahverkehrsmusem Dortmund abgegeben, welches sie im Museums-Standort Dortmund-Nette, genannt Bahnhof Mooskamp, aufbewahrt. 2025 war sie allerdings in Bauteile zerlegt, nur der Rahmen konnte auf dem Gelände ausgemacht werden.
Aus alten Henschel Katalogen 
Im Katalog "Bau- Feldbahn- Kleinbahn- und Industrie- Lokomotiven" von 1936 zeigte Henschel vornehmlich Dampflokomotiven. Den neuen regelspurigen DG-Kleinloks widmete man weniger als eine Seite und beließ es bei zwei Abbildungen einer "Regelspurigen 26 PS Henschel-Diesel-Getriebe-Lokomotive" (links) und einer "Regelspurigen 30 PS Henschel-Diesel-Getriebe-Lokomotive" (rechts).
 
Hinweis: Beide Aufnahmen wurden digital aufbereitet.
 
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